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Haben kleine Filialbanken noch Zukunft?

Seit einiger Zeit gehöre auch ich zu denjenigen, die ihre kompletten Bankgeschäfte über das Internet oder das Telefon erledigen. Der letzte Besuch einer Filialbank liegt schon einige Zeit zurück - nein, jetzt habe ich gelogen: Ich war erst vor kurzem in einer ganz gewöhnlichen Filialbank und habe mir portugiesische Escudos besorgt. Meine Online-Bank hätte mir zwar auch die gewünschten Devisen zukommen lassen; da ich jedoch per last-minute einen Urlaub gebucht hatte, blieb mir nicht viel Zeit um ausländisches Geld zu besorgen.

Mit meinen Online-Konten bezahle ich keine Mark mehr an Bankgebühren; dies war auch ein wesentlicher Grund zum Wechsel ins Direktbankgeschäft. Inzwischen bin ich sogar so weit, dass ich überschüssige Geldbeträge auf speziellen Web-Konten anlege, wo ich einen Extra-Zinsbonus dafür bekomme, dass ich mich verpflichte, das Konto ausschließlich per Internet zu führen.

Ein wesentlicher Grund zur Aufgabe meiner früheren Filialbank waren außer den Gebühren die unmenschlichen Öffnungszeiten der Bank. Ich konnte mir an 5 Fingern abzählen, dass ich als Berufstätiger nie mehr eine Filiale meiner Bank betreten würde, es sei denn ich habe Urlaub oder bin krank. Stehen damit die kleinen und auch die großen Filialbanken vor dem Garaus?

Ich sehe die Sache nicht ganz so extrem wie es die Überschrift vielleicht vorgaukeln mag. Es gibt zwar inzwischen Verfechter, die glauben, dass es in 30 Jahren keine gewöhnliche Bankfiliale mehr gibt; das kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Es gibt zu viele Gründe, weshalb herkömmliche Filialbanken immer noch ein gutes Geschäft machen werden.

Zur Zeit ist die Marktlage sicher etwas schief. Zahlreiche Leute würden gerne zu einer Onlinebank wechseln, trauen aber der ganzen Materie noch nicht oder haben nicht einmal einen Internetzugang. Andererseits werden Internetfreaks sagen, dass sie es sich kaum noch vorstellen können, ihre Bankgeschäfte nicht online durchführen zu können.

Ich möchte mal eines ganz klar feststellen: Die Zahl der Online-Bankkunden steigt rasant an; es ist nicht nur praktisch, sondern bei jungem Publikum auch cool, sein Konto online zu führen. Ich glaube auch, dass der normale Geschäftsverkehr mit Überweisungen, Schecks etc. immer mehr ins Online-Geschäft verlagert wird. Es gibt jedoch auch finanzielle Angelegenheiten, wo die Menschen auch in 20 Jahren nicht auf ein persönliches Vieraugengespräch verzichten möchten.

Stell Dir vor, Du bist so weit und baust Dir ein eigenes Haus; Du hast einige Hunderttausend Euro auf dem Konto und brauchst noch einen Kredit in gleicher Höhe, den Du dann für den Rest Deines Lebens abbezahlst. Es gibt heute schon Banken, die Dir solche Kredite online vermitteln. Aber mal ehrlich, wenn Du vor einer Deiner größten Entscheidungen Deines Lebens stehst, dann ist Dir doch ein persönliches Gespräch mit einem Bankberater unter vier Augen lieber als eine e-mail, oder?

Immer mehrere Leute legen ihr Geld in Wertpapiere an und treffen ihre Entscheidungen aufgrund von Informationen, die sie sich selbst beschaffen. Es gibt aber immer Zigtausende von Anlegern, die mit Wertpapieren nicht spekulieren, sondern die aufgrund einer Empfehlung ihres Bankberaters kaufen oder verkaufen. Man kann sich zwar auch einen Online-Berater oder einen Telefonberater merken, aber so eine Hilfsperson wird man nie so in Erinnerung haben wie einen persönlichen Berater in seiner Hausbank.

Um die ursprüngliche Frage zu beantworten: Ich glaube, dass kleine Filialbanken sehr wohl Zukunft haben. Allerdings glaube ich nicht, dass sie in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben. Die HypoVereinsbank ging z.B. vor einiger Zeit schon einen gespaltenen Weg: Man kann sein Konto sowohl online als auch per Telefon als auch ganz normal in der Filiale verwalten. Solche Systeme haben Zukunft.

Man wird also seine alltäglichen Kleinigkeiten per Telefon oder per Internetbanking erledigen. Für größere Vorgänge (wie z.B. größere Kredite) wird die Vielzahl der Bevölkerung jedoch immer noch ein persönliches Gespräch unter 4 Augen wünschen. Die Anzahl der Bankfilialen wird sich unter Garantie verkleinern; eine Bank an jeder Ecke wird man in absehbarer Zeit nicht mehr haben; vielmehr muss man mal ein paar Kilometer zurücklegen, um in seine Bank zu gelangen. Dies wird jedoch erträglich sein, da man nur alle Jubeljahre persönlich etwas in seiner Bank zu tun hat.

Daher mein klares Statement: Filialbanken im klassischen Stil, die sich nicht der neuen Techniken annehmen, haben keine Zukunft. Die Zukunft gehört einerseits den reinen Direktbanken andererseits den Banken, die eine Mischung aus allem anbieten. Dies zeigt auch deutlich der Weg, den nahezu sämtliche Großbanken momentan eingehen.

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