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Girokonto bei der Dresdner Bank

Auf verschiedensten Webseiten beschreibe ich zahlreiche Online-Banken und gehe immer wieder auf deren Vorteile gegenüber herkömmlichen Filialbanken ein. Wie kommt da ein Mensch wie ich zu einem herkömmlichen Girokonto bei einer ganz normalen Filialbank wie der Dresdner Bank?

Nun, ich bin nicht freiwillig Kunde bei der Dresdner Bank geworden. Ich war einst Kunde bei der besten Direktbank, die es jemals gab, der Advance Bank. Diese wurde Ende 2003 von der Dresdner Bank geschluckt, so dass die Kundenkonten automatisch auf die Dresdner Bank übertragen wurden. So wurde ich also Dresdner Bank Kunde mit einem Girokonto und einem Tagesgeldkonto, obwohl ich dies niemals wollte.

Seit ich Kunde bei der Dresdner Bank bin, habe ich nie eine deren Filialen betreten. Wer hat schon Zeit, vor 16:00 Uhr auf eine Bank zu gehen? Nicht wer einen normalen Job hat! Da ändert auch eine Öffnungszeit bis 17:30 Uhr an Donnerstagen nichts. Für mich zählt also nur das Online-Banking, so wie ich es von der Advance Bank her gewohnt war.

Als ich meine Zugangsdaten erhielt und erstmals mit dem Dresdner Bank Online-Banking in Kontakt kam, war das Entsetzen groß. Ist das wahr, was ich da sehe? Ist das schon alles? Wo geht's zum richtigen Online-Banking? Das waren die Fragen, die ich bereits am ersten Tag stellte und mich dazu bewegten, tatsächlich in meiner Filiale anzurufen. Dort wurde mir von einer freundlichen Stimme klar gemacht, dass ich von der Advance Bank her etwas verwöhnt sei, dass ich nicht dieselben Maßstäbe an eine Filialbank wie an eine Online-Bank stellen dürfte. Das Online-Banking-System der Dresdner Bank solle jedoch im Laufe der Zeit verbessert werden.

Wer hervorragende Online-Banking-Systeme von typischen Online-Banken her kennt, erlebt wirklich so etwas wie einen Kultur- oder, besser gesagt, Generations-Schock, wenn er zum ersten Mal mit dem Online Banking der Dresdner Bank in Berührung kommt. Bereits die Aufmachung ist unübersichtlich und nicht besonders einladend. Aber darauf möchte ich mich gar nicht näher einlassen.

Zu ein paar Einzelheiten: Für mich ist es selbstverständlich, dass man für Überweisungen seine "Stammkunden" speichern kann, damit man nicht jedes Mal die gleichen Daten eintippen muss. Nichts dergleichen, es gibt keine Empfängerliste für Überweisungen. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich ein so simples Feature vermisse. Einmal manuell aufgegebene Überweisungen können in einer Auftragsliste eingesehen werden. Mir ist es jedoch schon desöfteren passiert, dass beim Aufruf der Liste die offenen Überweisungen einfach verschwinden. Wenn jetzt einer wüsste, ob die aufgegebenen Überweisungen tatsächlich verschwunden sind oder einfach nicht mehr angezeigt werden...

Dann das Problem mit Girokonto und Tagesgeldkonto: es sind im Prinzip zwei Konten, die man mit einem einzigen Online-Banking-System verwalten kann. Sehr gut! Eine interne Überweisung vom Tagesgeldkonto aufs Girokonto dauert jedoch einen Bankarbeitstag. Nachteil: Wenn ich heute 1000 € überweisen will und mein Girokonto nur 500 € Guthaben hat, muss ich heute zunächst mit einer internen Überweisung das Girokonto auffüllen um dann morgen meine gewünschte Überweisung aufgeben zu können. Unglaublich umständlich, ich muss mich also für eine einzige Überweisung gleich an zwei Tagen einloggen. Wer jetzt glaubt, dass eine interne Überweisung eine Kleinigkeit ist, der irrt. Es müssen sämtliche Kontodaten eingegeben werden wie bei einer externen Überweisung. Auch da kenne ich weitaus elegantere Vorgehensweisen.

So gibt es noch viele Kleinigkeiten, die ich aufzählen könnte, die einen enttäuschen, wenn man sehr gute Onlinebanking-Systeme kennt. Einen positiven Punkte möchte ich jedoch auch noch erwähnen: Ein verbindlicher Kontoabruf ist möglich, d.h. man kann seine Kontoauszüge daheim am PC ausdrucken. Jedoch auch dabei hat die Dresdner Bank großen Handlungsbedarf: Es wird immer ein ganzes Din A4-Blatt mit vielen bunten Zeilen ausgedruckt, von denen jedoch nur das oberste Drittel für die Umsätze verwendet wird (wie bei den kleinen Kontoauszügen am Kontoauszugsdrucker eben). Man braucht also viel Druckertinte und viel Papier, um seine Kontoauszüge selbst zu drucken.

Fazit: Für mich war der unfreiwillige Wechsel von einer Direktbank zu einer klassischen Filialbank wie ein großer Schritt zurück in die Steinzeit. Ich hätte nicht gedacht, dass es solch große Differenzen in Online-Banking-Systemen geben würde. Ich mag an dieser Stelle noch erwähnen, dass die Dresdner Bank als Filialbank auch zahlreiche Vorteile bietet, die klassische Direktbanken nicht anbieten können. Aber ich benötige eben nur eine Online-Bank mit Tagesgeldkonto, nicht mehr.

Nachtrag Februar 2005: Die Dresdner Bank führt das ehemals kostenlose Advance-Bank Konto auch nach Ablauf des ersten Jahres kostenlos weiter. Das ist fair und kundenfreundlich. Ich habe zwar inzwischen Depot und Tagesgeldkonto gekündigt, weil ich immer wieder Kontoauszüge zugeschickt bekam, für die ich Porto bezahlen musste, aber das Girokonto lebt noch. Nicht ganz kundenfreundlich finde ich dagegen, dass ich 6,50 € bezahlen musste, weil ich eine neue Pin beantragte.

Nachtrag August 2006: Mittlerweile hat sich das Internet-Banking der Dresdner Bank deutlich verbessert. Es gibt eine Empfängerliste, die man pflegen kann, und man kann seine Kontoauszüge online abrufen und auf dem Drucker ausgeben. Das erspart einem den Weg zur Bank. Wehe jedoch man vergisst das regelmäßige Ausdrucken der Kontoauszüge; dann erhalte ich diese per Post zugeschickt, und es werden Kosten berechnet. Insgesamt bin ich mit dem Internet-Banking der Dresdner Bank nicht richtig glücklich, aber es funktioniert und mein kostenloses Konto kann weiter laufen.

Nachtrag 2009: Mittlerweise hat sich mein Konto bei der Dresdner Bank immer öfters als Flop erwiesen und ich habe das Konto gekündigt.